Kirchweyhe

 

,das ist ein Ortsteil von Weyhe, gelegen an der Nordspitze des Landkreises Diepholz. Kirchweyhe konnte 1960 bereits sein 1100 Jähriges Bestehen feiern!

Seit 1873 hat Kirchweyhe Anschluss an das Deutsche Schienennetz. Der Ort liegt an der stark frequentierten Verkehrsachse zwischen Bremen und dem Ruhrgebiet der so genannten "Rollbahn" einer der am meisten befahrenen Schienenstrecken.

So war für die Entwicklung des Ortes und der Gemeinde Kirchweyhe der Bau und die Erweiterung der Eisenbahnstrecke Bremen -Osnabrück von allergrößter Bedeutung.

Die Venlo -Hamburger Eisenbahn wurde von der Köln -Mindener Eisenbahn -Gesellschaft Anfang der 1870er Jahre erbaut. Diese für den Verkehr Nordwestdeutschlands überaus wichtige Hauptbahnstrecke geht von Osnabrück über Kirchweyhe zur Hansestadt Bremen und findet ihre Fortsetzung über Sagehorn nach Hamburg.

Zur Vermeidung des Umweges über Bremen wurde schon beim Bau der Bahn für die vom Ruhrbezirk nach Hamburg zu befördernden Massengüter die hinter Kirchweyhe abzweigende und bei Sagehorn wieder in' die Hauptbahn einmündende kürzere Verbindungsstrecke Gabelung Sagehorn ausgeführt. Diese, sowie die eigentliche Hauptstrecke Osnabrück—Bremen—Hamburg wurde zu nachstehend angegebenen Zeitpunkten voll in Betrieb genommen:

Osnabrück—Kirchweyhe am 15. 5. 1873,
Kirchweyhe—Bremen  am  15. 8. 1875,
Kirchweyhe—Sagehorn-Harburg am 01. 6. 1874.

Die Bahn war zunächst eingleisig. Das zweite Gleis wurde erst später ausgebaut und in mehreren Abschnitten eröffnet, und zwar:

Osnabrück—Bohmte im Jahre 1882/83,
Bohmte—Kirchweyhe im 1884/85,
Kirchweyhe—Bremen im 1891/92,
Bremen—Sagehorn „ im 1893/94,
Verbindungsbahn Kirchweyhe—Sagehorn im Jahre 1900/01

Bei dem Bau der Bahn in den 1870er Jahren bedeckte der Bahnhof Kirchweyhe eine Grundfläche von rund 61 800 qm (rd. 6,2 ha), die sich seitdem vervielfacht hat.

1927 betrug die vom Bahnhof beanspruchte Bodenfläche 570 000 qm (rd. 57 ha).

Ohne Berücksichtigung der durchgehenden Hauptgleise bestand der Bahnhof Kirchweyhe bei der Betriebseröffnung im Jahre 1873 aus 3100 lfdm Nebengleisen und 28 Weichen mit 28 Zungenpaaren. Bis zum Jahre 1925 erfolgte ein Anwachsen auf 51 000 lfdm Nebengleise und 205 Weichen mit 333 Zungenpaaren und 3 Gleisbremsen.

Bei der Länge der Nebengleise sei vergleichsweise in Betracht gezogen, daß diese Länge der Entfernung Diepholz -Kirchweyhe entspricht. Die Bahnhofsanlagen mußten sich durch ständige Erweiterungen den oft sprunghaft anwachsenden Betriebsanforderungen anpassen und konnten mitunter bei schnellstem Bautempo nicht mit ihnen Schritt halten.

Die größte Bautätigkeit fällt in die Jahre 1914/15. Kirchweyhe wurde nach und nach einer der größten Verschiebebahnhöfe in Preußen und somit auch mit den modernsten Anlagen ausgestattet. Während noch im Jahre 1892 nur 6 leichte Lokomotiven für den Rangier- und Vorspanndienst in Kirchweyhe stationiert waren, entwickelte sich im Laufe der Jahre bald ein regelmäßiger Lokomotivwechsel für den Güterzugdienst, so daß 1914 insgesamt 45, im Jahre 1919 sogar 88 Lokomotiven auf dem Bahnhof beheimatet waren. Infolgedessen mußte auch die Unterbringungsmöglichkeit der Lokomotiven erheblich erweitert werden.

Im Jahre 1898 waren 10, 1914 jedoch schon 26 und 1919 sogar 48 Lokomotivstände vorhanden. Hiermit hielt die Erweiterung der Bekohlungsanlage, Kohlenbansen, Wasserversorgungs- und Werkstattanlagen in gleichem Umfange Schritt. Ein langer Güterschuppen zur gleichzeitigen Entladung von 16 Güterwagen, je ein fahrbarer und feststehender Kran mit 1500 bzw. 500 kg Tragkraft, zwei Übernachtungsgebäude für Lokomotiv- und Zugbegleitungspersonal, sowie 11 Stellwerke. Zu den letzteren gehören 246 Weichen-, Verriegelungs- und Signalhebel.

  1913 1919
 Betriebs- und Bahnunterhaltungsdienst    
Beamte 191 426
Handwerker Arbeiter 248 311
Verkehrsdienst    
Beamte 6 8
Handwerker Arbeiter 15 27
Lokomotiv- und Werkstättendienst    
Beamte 127 219
Handwerker Arbeiter 124 437
Zusammen 711 1464


Im Jahre 1901/02 empfing der Bahnhof Kirchweyhe an Kohlen = 19770 Tonnen
Er versandte 151 Tonnen

Der Durchgangsverkehr belief sich auf 2 712 000 Tonnen

Den Bahnhof Kirchweyhe passierten im Jahre 1913 tägl. (innerhalb 24 Std.) durchschnittlich 30 Schnell- und Personenzüge und 167 Güterzüge, 1919 dagegen nur 20 Schnell- u. Personenzüge und 119 Güterzüge.
1927 täglich 12 Schnellzüge, 26 Personenzüge und 120 Güterzüge.

Als das deutsche Heer in den Augusttagen des Jahres 1914 mobilisiert wurde, nahm der Bahnhof Kirchweyhe infolge seiner günstigen Aufnahmefähigkeit für die zahlreichen Truppentransporte der Strecke Hamburg — Bremen — Osnabrück, einen wichtigen Platz ein. Auch der Kohlenbedarf der Marine einschl. Werftmaterial wurde zu einem großen Teil über den Bahnhof Kirchweyhe geleitet.
Ferner erhielt der Kirchweyher Bahnhof für die Verpflegung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes bis weit in die Nachkriegsjahre hinein erhöhte Bedeutung, da die in den landwirtschaftlichen Überschußgebieten (Pommern — Mecklenburg — Holstein usw.) aufkommenden Erzeugnisse zu einem erheblichen Teil über den Bahnhof Kirchweyhe geleitet wurden. Insbesondere fielen diesem Bahnhof als Verschiebe- und Zugbildungsbahnhof in den Kriegsjahren neue Aufgaben zu, deren Bewältigung bei der bekannten großen Knappheit an Material und Menschen ganz erhebliche Anforderungen an die Bahnhofsanlagen und das Personal stellte.

Kirchweyhe bot nach dem Krieg nicht mehr das von den
Vorkriegs- und Kriegsjahren her gewohnte rege Verkehrsbild. Es spiegelte sich vielmehr auch hier der Niedergang des gesamten Wirtschaftslebens wieder.
Die dann allmählich einsetzende Belebung wurde in den Jahren 1923/24 jäh unterbrochen, als durch die Besetzung des Ruhrgebiets das Wirtschaftsleben hier zum Erliegen gebracht wurde. Die Zahl der in Kirchweyhe durchrollenden Güterzüge erreichte einen Tiefstand, wie er bisher noch nicht beobachtet worden war. Erst ganz allmählich setzte eine Besserung ein. Jedoch ist auch nach Wiederinbetriebnahme der Rhein-Ruhrbahnen der Vorkriegsverkehr noch nicht wieder erreicht.
Wie bereits erwähnt und nachgewiesen ist, entwickelte sich der Bahnhof Kirchweyhe nach Beendigung der großen Erweiterungen und Ausstattungen mit den modernsten Anlagen zu einem der größten Verschiebebahnhöfe Preußens.

Durch die andauernden Erweiterungen des Bahnhofs Kirchweyhe wurden zahlreiche Versetzungen und Neueinstellungen von Beamten usw. erforderlich, die überaus belebend auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde Kirchweyhe sowie den Kreis Syke einwirkten. Durch den Zuzug der Eisenbahnerfamilien und der damit im Zusammenhange stehenden außergewöhnlichen großen Bautätigkeit ist die Gemeinde im Laufe der Jahre auf über 3600 Einwohner angewachsen, worunter sich ca. 2100 Eisenbahner mit fast 500 eigenen Haushaltungen befinden. Mit Recht spricht man hier von einer „Eisenbahnergemeinde".

Bei der starken Bevölkerungszunahme, die durch den Eisenbahnerzuzug eintrat, ist eine größere Anzahl von neuen Gewerbe- und Handwerksbetrieben entstanden, die wiederum vielen Menschen eine lohnende Beschäftigung und somit das tägliche Brot gaben.

Schritthaltend mit der Bevölkerungszunahme stiegen auch die Steuereinnahmen des Reiches. Es konnte für das Kalenderjahr 1926 von der Stationskasse Kirchweyhe allein an Lohnsteuer die stattliche Summe von 56000 Mark an das Finanzamt in Syke abgeführt werden.
Zur Beschaffung von Eigenheimen schlossen sich die Eisenbahner zusammen und gründeten einen Eisenbahn-Bauverein, wodurch im Laufe der Zeit 20 Eigenheime und 54 Mietwohnungen entstanden. Ferner wurde unter den Eisenbahnern die Gründung des „Konsum-Vereins für Eisenbahnbedienstete" vollzogen, der augenblicklich (1927) einen Mitgliederstand von 360 Personen und ein Vermögen von 80 000 Mark an lebendem und totem Inventar aufweist.
Auch hierin finden 12 Pers. eine lohnende Beschäftigung. In eisenbahntechnischer Hinsicht war der Bahnhof Kirchweyhe von jeher in der Lage, auch den größten Anforderungen des Betriebes zu jeder Zeit gerecht zu werden. Durch die modernen Einrichtungen des Rangierbahnhofes wurden die Züge in einer sehr kurzen Zeit aufgelöst und neugebildet, so daß besonders hier der Wagenumlauf ganz erheblich beschleunigt und dadurch zur Wirtschaftlichkeit in erhöhtem Maße beigetragen werden konnte.

Bekannt ist, dass der Rangierbahnhof Kirchweyhe hinsichtlich der niedrigen Gehälter und Löhne die geringsten Ausgaben verursachte und unter Berücksichtigung seiner Größe zum Leistungsverhältnis das größte Leistungsmaß aufzuweisen hatte.

Für den Bahnhof Kirchweyhe trat in den Jahren 1926 und 1927 ein Umschwung ein. Vor dem Kriege (1914/18) diente er als Rangierbahnhof für die Bremer und Hamburger Bahnanlagen. In der Vor- und Nachkriegszeit mussten dann an den unzulänglichen Bremer und Hamburger Bahneinrichtungen große Umbauten und beträchtliche Verbesserungen vorgenommen werden. Außerdem kamen im Jahre 1922 der Rangierbahnhof Eidelstedt und später auch Billwärder in Betrieb. Hinzu trat im Ruhrgebiet eine wesentliche Entlastung der Rangierbahnhöfe und eine Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit durch die Vergrößerung des Ladegewichts der Wagen und die damit zusammenhängende Verringerung der Wagenzahl, sowie durch sonstige Betriebsverbesserungen. Durch das Zusammentreffen dieser verschiedenen Umstände ergab sich die Möglichkeit, die Rangieraufgaben wirtschaftlicher zu verteilen und sie dahin zu verlegen, wo sie am zweckmäßigsten erfolgten. Die Trennung des Verkehrsstromes nach den Seehäfen in die Hauptrichtungen Bremen und Hamburg konnte im wesentlichen der Reichsbahndirektion Essen aufgegeben werden, und hiermit wurde auch die Vorrangierung zur Entlastung der Bremer und Hamburger Rangierbahnhöfe entbehrlich. Durch diese Minderbelastung des Bahnhofs Kirchweyhe wurden 67 Mann und eine erhebliche Zahl von Lokomotivstunden erspart.

Zur Zeit des englischen Bergarbeiterstreiks (1928) machte es dann aber die außerordentliche Belastung der Nordseehäfen mit Ausfuhrkohle not-
wendig, dem Bahnhof Kirchweyhe erneut die Aufgabe der Vorrangierung der Ruhrfrachten für die Seehäfen zu übertragen. In dieser Zeit wurden außer den 67 zur Zeit ersparten Köpfen noch 57 Arbeitskräfte mehr eingestellt.

Nach Beendigung des Streiks wurde die Umgruppierung der Rangieraufgaben wieder im Sinne der vor dem Streik eingeleiteten Maßnahmen vorgenommen. Die Verminderung an Personal gegen den Stand im Anfange des Jahres 1926 betrug schließlich wieder 60 Köpfe, d. h. rund 10% der Gesamtbelegschaft. Damit konnte freilich von einer Schließung des
Bahnhofs Kirchweyhe vorläufig noch nicht gesprochen werden, immer-
hin aber eröffneten sich sehr trübe Aussichten.
Die Reichsbahndirektion Münster i. W. hatte sich gleichzeitig bemüht, die freigewordenen Kräfte nach Möglichkeit in den Nachbardienststellen oder anderweitig unterzubringen. Ob die Verlegung der Rangieraufgaben von Kirchweyhe nach Bremen usw. sich in Wirklichkeit für die Reichsbahn „wirtschaftlicher" gestaltet hat, wurde in hiesigen Kreisen von Anfang an stark in Zweifel gezogen.
Das Schicksal des Bahnhofs Kirchweyhe lag trotzdem zeitweise im Dunkeln. Ein Herabsinken zur fast völligen Bedeutungslosigkeit angesichts der Veränderung der ganzen Wirtschaftsverhältnisse im Reich und der Betriebsverhältnisse bei der Reichsbahnverwaltung ist nicht eingetreten, wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach, auf die Dauer nicht aufzuhalten sein, damit mußte die Bevölkerung der Gemeinde Kirchweyhe sich abfinden. Die Bahnmeistereien 2 und 3 wurden als selbständige Dienststellen aufgelöst und ihre Aufgaben einer einzigen noch verbleibenden Bahnmeisterei zugewiesen, das Bahnbetriebswerk dem Maschinenamt Osnabrück unterstellt.

Abschließend ist zu sagen das heutzutage nur noch die Gleisanlagen südlich des Kirchweyher Bahnhofs von den glanzvollen Zeiten zeugen.
 

Heute ist es so das der Kirchweyher Bahnhof überwiegend für Pendler interessant ist die täglich in großer Zahl nach Bremen fahren.

Die Gemeinde Weyhe bestehend aus den Ortsteilen Kirchweyhe, Sudweyhe, Leeste, Lahausen, sowie Melchiorshausen Jeebel und Ahausen ist mit ca. 650 Einwohnern pro qkm. das am dichtesten besiedelte Gebiet im Landkreis Diepholz.