Der geologische Aufbau des Kirchweyher Bodens
 

Hier in Kirchweyhe, gelegen mitten im nordwestdeutschen Flachland 10 km südlich von Bremen, hat der Boden äußerlich an den deutschen Gebirgen und ihren Gesteinen keinerlei Anteil. Auch bei Wasserbohrungen von ziemlicher Tiefe, wie sie im Laufe der Zeit von der Eisenbahnverwaltung an verschiedenen Stellen von Kirchweyhe durchgeführt worden sind, hat man niemals festes Gestein im Untergrund vorgefunden.

Genaue Darstellungen über die Entwicklung des Bodens in ältester Zeit hat die geologische Wissenschaft bis heute noch nicht bringen können. Dennoch sind hierzu wichtige Ereignisse durchaus erwähnenswert. Dazu gehört die Ausbildung des Aller -Weser -Urstromtales. Dieser gewaltige Urstrom-Raum hatte ursprünglich einen ständigen Boden. Zu irgendeiner Zeit ist dann die Weser in diesen Raum hineingelangt und hat an der Anschwemmung des Talbodens mehr oder minder starken Anteil genommen.

Daraus erklärt sich das häufige Vorkommen von Weserkies und kleinen Wesersand-Geröllen. Ungeheure Massen Sand etc. sind im Ablaufe der Jahrtausende verschwemmt worden. Später, nachdem die Weser eine eigene Mündung bekommen hatte, wanderten die Flutwellen des Meeres weiter und weiter den Strom hinauf. Anstelle des Sandes und des Gebirgsgerölles, das der Fluß mit rascher Strömung herbeigeführt hatte, traten Ablagerungen von Schlick zur Stauwasserzeit, die nach und nach eine feste Kleischicht über dem Sand bildeten.

Diese Kleiablagerung wurde noch verstärkt durch den verlangsamten Abfluß der jährlichen Hochwässer.
In der Weserniederung (bei Dreye etc.) waren von Zeit zu Zeit bei der Anlage von Brunnen umfangreichere Ausschachtungsarbeiten erforderlich, die dann, wenn auch nur im bescheidenen Maße, gewisse Bodenquerschnitte ergaben. Das Bild derselben (mit Ergänzung von weiteren Bohr-Ergebnissen) hatte folgendes Aussehen: Oberschicht 1 bis 2 m fetter, schwerer Marschklei, darunter (etwa 6-8 m stark) Sand und Kies als reine Weserablagerungen, weiter grauer Sand mit kl. Feuersteinchen und kleinen nordischen Granitstückchen als Eiszeitablagerung, in rd. 12 m Tiefe — grober Kies und etwas Geschiebemergel, bei 20 m Tiefe — feiner grauer Sand nordischen Ursprungs und schließlich bei 30 und mehr m Tiefe Meereston.
 

Eine besondere Bodenbeschaffenheit tritt uns nun im Gebiet der „Vorgeest" (bei Lahausen, Kirchweyhe. etc.) entgegen. Der Sand der Vorgeest ist arm an Steinchen, und die vorhandenen sind keine Wesergerölle; er stammt also nicht aus dem Wesergebirge oder aus dem Harz. Die Vorgeest ist nach Ansicht bedeutender Geologen ein großer Schuttkegel der starken Bäche (Delme, Klosterbach, Hornbach, Hache etc.), die aus der Syker Geest herabströmen. Diese mächtige Anschwemmung hat wahrscheinlich eine sehr lange Zeit in Anspruch genommen bei starken Gegensätzen zwischen Sommer und Winter, sowie geringer Vegetation; sie dürfte sich also wohl in den Eiszeiten abgespielt haben.